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Wie ein Weltkonto die 17 UN Global Goals vorantreiben kann

Am 25. September 2015 wurden 17 globale Ziele von 193 Länder festgelegt. Doch wie werden diese realisiert und vor allem finanziert? Wir haben uns mit Joachim° Ackva von Pilot Weltkonto unterhalten. Er stellt ein innovatives Konzept vor, welches diese Ziele aus Bürgerhand finanzieren könnte.

Die 17 globale Ziele für nachhaltige Entwicklung

Hallo Joachim°!

Bitte stelle uns das Pilot Weltkonto in einem Tweet (140 Zeichen) vor.
Das Pilot-Weltkonto ist eine soziale Neuheit. Wir können uns damit erstmals freiwillig in positiven, global legitimierten Zielen vereinen.

Was hat dich inspiriert, das globale Interesse zu vertreten? Wie kam es zu diesem einzigartigen Konzept?

Mich inspiriert und beglückt, positive Ziele gemeinsam voranzubringen und die UN Global Goals sind entscheidende Ziele für unser Miteinander. Zu den Global Goals zählt selbstverständlich eine nachhaltige und klimastabile Energieversorgung für alle Menschen.

Doch ohne eine strukturelle Ergänzung der Weltpolitik ist die Umsetzung der 17 Menschheitsziele schwierig. Bislang leben wir in einem globalen Haus ohne Hausverwaltung und Gemeinschaftskasse. So lassen sich Aufgaben in der Hausgemeinschaft kaum lösen. Wir alle sind oft überfordert von den politischen, sozialen, ökologischen und wirtschaftlichen Fehlentwicklungen. Manche Politiker kaschieren das mit autoritärem Gehabe.

Was also tun? Erstens: Vereinen wir uns als Menschen freiwillig in einer globalen Gemeinschaftskasse. Zweitens: Bauen wir mit der Gemeinschaftskasse das UN-Sekretariat zur neutralen Hausverwaltung aus. Zweck: Koordinieren und Kofinanzieren der Global Goals. Diese Ziele haben auf Betreiben des UN-Sekretariats alle Regierungen der Welt zumindest auf dem Papier akzeptiert. Die Menschheit verfügt damit erstmals in ihrer Geschichte über verhandelte und global gültige Ziele.

Erforderlich dafür: Ein freiwilliges Tausendstel des globalen Privatvermögens. Mitbestimmung: Jeder Einzahler entscheidet über die Zielprioritäten mit. TNS Emnid-Umfragen in meinem Auftrag in verschiedenen Ländern rund um den Globus zeigen, dass viele Menschen mitmachen würden.

Wieso der direkte Appell an Bürgern und Bürgerinnen? Warum werden die 17 Global Goals der Vereinten Nationen beispielsweise nicht durch nationale Fonds oder Steuergelder finanziert?

Für globale Aufgaben können wir erfahrungsgemäß wenig auf Regierungen zählen, denn sie unterliegen nationalen Machtzwängen. Sie sind nicht für faire Kooperation und globales Allgemeinwohl im Amt. Die globale Aufgabe, eine neutrale Hausverwaltung zu schaffen und die Umsetzung der Global Goals voranzubringen, fällt also uns einzelnen Menschen zu.

Wie stehst du zu Crowdfunding? Kann man dein Konzept als eine Art Crowdfunding betrachten?

Sicher. Ein UN-Weltkonto der Menschen wäre die Mutter allen Crowdfundings. Das Pilot-Weltkonto auf weltkonto.org sehe ich auch als gemeinnütziges Crowdfunding.

„Ein UN-Weltkonto der Menschen wäre die Mutter allen Crowdfundings“

 

Wäre in diesem Sinne eine eigene Crowdfunding-Plattform sinnvoll?

Das UN-Sekretariat verfügt mit dem Multi-Partner-Trust-Fund-Office bereits über die passende Infrastruktur. Es könnte die Öffentlichkeit in Nahezu-Echtzeit mit Analysen und Bewertungen, z.B. zu Mitteleingang, Auszahlungen, Projekten und Kosten versorgen.

Wer würde dieses Konto verwalten und wie wird sichergestellt, dass diese globale Gemeinschaftskasse seinen vorgesehenen Zweck zielgerecht erfüllt?

Bevor wir über Verwaltung und Zielerreichung sprechen, würde ich gerne beleuchten, warum die UN ihre Ziele bis heute nur teilweise erreichen konnten. Eine wichtige Rolle spielt ein Geburtsfehler der UN. Sie entstanden 1945 mit zwei Gesichtern, einem globalen und einem nationalen.

Das globale Gesicht ist das UN-Sekretariat. Es arbeitet gemäß Art. 100 UN-Charta unabhängig von nationalen Interessen für das globale Allgemeinwohl. Das nationale Gesicht ist die Generalversammlung, der Sicherheitsrat, der Wirtschafts- und Sozialrat. Sie bestimmen über die Mittel des UN-Sekretariats. Dadurch ist das UN-Sekretariat in vielerlei Hinsicht gelähmt. Sein Budget ist geringer als das eines Ölkonzerns wie Exxon, seine Personalzahl entspricht etwa den öffentlich Bediensteten der Stadt Hamburg. Häufige Eingriffe, Bürokratie und Personalspiele mancher Nationalstaaten verhindern zusätzlich, dass es als Hausverwaltung wirksam arbeiten kann.

Ein UN-Weltkonto der Menschen kann das ändern und die in der UN Charta vorgesehene Autonomie des UN-Sekretariats herstellen. Durch die jährlich freiwillige Einzahlung kontrollieren wir alle zusammen, ob wir mit der Zielerreichung zufrieden sind. Die dazu notwendigen Daten liefert u.a. das UN-Transparenzportal (das bestehende UN Multi-Partner-Trust-Fund-Office).

Zur Verwaltung: Die Bitte, als Lenkungskomitee zu fungieren, richtet sich an aktuelle und vormalige UN-Generalsekretäre /-innen, also derzeit an António Guterres, Ban Ki-moon und Kofi Annan. Der komplette Entwurf einer UN-Weltkonto-Organisation orientiert sich an vorhandenen UN-Modellfonds und findet sich hier.

Bei einem Konto erwartet man Zinsen. Ist es geplant, dass mit dem Geld auch nachhaltige Investitionen getätigt werden, die eine Rendite erwirtschaften?

Darüber zu entscheiden wäre später Sache der UN-Generalsekretäre. Das Pilot-Weltkonto ist jedenfalls ein reines Sammelkonto, um die Bereitschaft in Deutschland zu belegen. Es tätigt keinerlei Investitionen und hat keine Kosten. Wenn hier umgerechnet 100 Millionen US-Dollar zusammenkommen, werden sie dem UN-Generalsekretär António Guterres angeboten, verbunden mit der Bitte, die Einrichtung eines globalen UN-Weltkontos der Menschen zu prüfen. Mit einer Überweisung entscheidet man also über die Chancen einer globalen Gemeinschaftskasse. Falls bis Ende 2021 der Zielbetrag nicht zusammenkommt, erhält die Welthungerhilfe das Guthaben des Pilot-Weltkontos. Die Einzahlung in das Pilot-Weltkonto fördert das deutsche Finanzamt als Sonderausgabe. Ein Teil kommt also mit der Steuererklärung zurück.

Du sprichst von ein Tausendstel des globalen Privatvermögens, wie kommst du auf diese Zahl?

Ein Tausendstel des globalen Privatvermögens entspricht knapp 300 Milliarden US-Dollar. Damit könnte das UN-Sekretariat (alias Hausverwaltung) die Global Goals (alias Hausordnung) koordinieren und kofinanzieren. Das damit bewegbare Gesamtvolumen an Investitionen liegt erheblich höher. Da sprechen wir über mehrere Prozent des Weltbruttosozialproduktes.

Wie der Titel schon verrät, ist das Projekt noch in der Anfangsphase. Schauen wir mal etwas weiter in die Zukunft. Wo siehst du das Weltkonto in 5 Jahren?

In 5 Jahren werden wir wissen, ob aus dem deutschen Pilot-Weltkonto ein globales Weltkonto hervorgehen konnte. Sofern es gelingt, werden wir erleben, was eine Hausverwaltung leisten kann. Sie betreibt politische Lobbyarbeit für Frieden, Wohlstand und Umwelterhalt, sie setzt Anreize, sie investiert, sie führt ein weltweit abgestimmtes, massives Programm und zieht dabei möglichst viele Regierungen und Konzerne mit. Sie organisiert z.B. eine globale Bildungsoffensive (Ziel 4 der Global Goals) oder fördert die Umwidmung von Abermilliarden US Dollar, die global fossile Brennstoffe subventionieren (Ziel 12.11). Sie stellt klar, dass Migrationspolitik eine globale Aufgabe ist (Ziel 10.7) So organisiert sie vor Ort eine menschenwürdige Versorgung von Flüchtenden, klärt professionell den Schutzanspruch des einzelnen Menschen. Sie koordiniert weltweit die Aufnahme für Schutzberechtigte und unterstützt finanziell die freiwillig aufnehmenden Staaten. Berechtigte verteilen sich so auf viele Dutzend Länder. Das nimmt auch Scheinflüchtenden die Lust, da sie ihr Zielland nicht vorausplanen können. Asyl und Migration wären entzerrt. Der Migrationsdruck würde parallel abnehmen, da das Voranbringen der 17 Global Goals in vielen Ländern neue Perspektiven schafft.

Die Hausverwaltung fördert die Ausbreitung ökonomischer Netzwerke mit geringen Transaktionskosten, neue soziale Grundsicherungssysteme, zuverlässigere Rechtssysteme, Entwurmungskampagnen, die Streichung unfairer Handels- und Agrarexportsubventionen, mehr sozialpolitische Drogenprävention, Bodenschutzprogramme oder Schutzpachten für Zonen biologischer Artenvielfalt. Das ist eine kleine Auswahl der 169 Maßnahmen, mit denen die 17 Ziele konkretisiert wurden. Kurz: Wir kümmern uns mehr umeinander und um unser Haus.

Du hast Geldscheine in Innenstädten vom Himmel regnen lassen. Welche andere aufsehenerregenden Aktionen hast du bereits durchgeführt?

Die echten Geldregen funktionieren so gut, dass ich bis auf Weiteres dabei bleiben werde. Ich liebe die kleinen Geräusche dabei, z.B. wenn ein Kind ruft „Mama, schau mal, da fliegt Geld!“ Und wenn die Mutter antwortet: „Nein, Anna, lass, das sind Werbezettel.“

Mit welcher Strategie überzeugst du die Öffentlichkeit, sich an deinem Konzept zu beteiligen?

Ich möchte über Medien die Menschen erreichen, die Spaß an positiver Gemeinschaft haben. Und die bereit sind, ein Tausendstel einzusetzen. Mich selbst überzeugt das Risiko-Chance-Verhältnis eines Weltkontos: Das Risiko ist, dass mir ein Tausendstel meines Vermögens fehlt. Das spüre ich praktisch nicht. Die Chance ist ein freundlicheres Lebensumfeld im gemeinsamen Haus – das spüre ich sehr wohl und kann mich täglich daran freuen.

Du trägst im Namen ein kleines Planetensymbol° was hat es damit auf sich?

Es symbolisiert meine Bereitschaft, freiwillig ein Tausendstel meines Vermögens in eine globale Gemeinschaftskasse einzuzahlen.

Ich möchte meinen Beitrag zum Weltkonto leisten, was sind die nächsten Schritte?

Es sind zwei:
1. Sprich bitte mit anderen über die Global Goals und die Möglichkeit eines Weltkontos der Menschen.

2. Auf der Website weltkonto.org findest du die Bankverbindung des Pilot-Weltkontos. Nenne bitte im Verwendungszweck die Nummern der Ziele, die dir besonders wichtig sind. Findest du die 17 Ziele in ihrer Gesamtheit wichtig, lasse bitte den Verwendungszweck frei.

Energieverbrauch intelligent optimiert: wattline stellt sich vor

Erinnert ihr euch noch an unser Projekt im Posthotel Johannesberg in Lauterberg? Die Crowd hat dafür gesorgt, dass dort die konventionelle Beleuchtung komplett durch energieeffiziente LEDs ausgetauscht wurde. Das ganze war schon unter 4 Stunden finanziert! Als Energieberater hat die wattline GmbH diese Umsetzung unterstützt. Wir haben mit Herrn Bernd Hesse von wattline gesprochen, um das Konzept des Beratungsunternehmens genauer unter die Lupe zu nehmen. In diesem Blogpost erfährst du wie wattline Firmen dabei hilft ihren Energieverbrauch effizienter zu gestalten.

 

Hallo Herr Hesse!

Bitte stellen Sie wattline in einem Tweet (140 Zeichen) vor:

„Als Energiedienstleister senken wir Energiekosten unserer Gewerbe- & Industriekunden. wattline – #Energie intelligent optimiert #Energieeffizienz“

 

Welches Problem löst wattline?

Wir finden umfängliche Lösungen für unsere über 20.000+ Kunden. Ob bei der Energiebeschaffung, bei der Reduzierung von Abgaben und Umlagen oder in Sachen Energieeffizienz, wir denken und handeln zum Wohl unserer Kunden. Das mag zwar plakativ klingen, beschreibt aber am Besten unsere Maxime. Die Kilowattstunde, die der Kunde nicht verbraucht, ist die günstigste, denn Sie muss nicht erzeugt werden und schont die Umwelt. Die Energiemengen, die der Kunde aus dem öffentlichen Netz bezieht, sind stark mit Kosten belegt und wir zeigen ihm, wo es Möglichkeiten gibt diese Kosten nachhaltig zu minimieren. Das gilt auch für den reinen Energiepreis, der von uns so günstig und sicher beschafft wird wie möglich. Der große Vorteil liegt für den Kunden in der allumfassenden Dienstleistung und in unserer Ausrichtung auf langfristige Kundenbeziehungen.

Was genau ist das Geschäftsmodell? Also woran verdient wattline Geld?

Unser Kunde kann sich die Leistungen aus unserem Portfolio auswählen, die er betreut wissen möchte. Die meisten sind zu einem festen Preis buchbar z. B. Unterstützung bei der Fördermittelgenerierung oder professionelle Lastganganalysen, etc. Wir vermitteln bundesweit Spezialisten aus allen Bereichen (Energiebeschaffung, Technische Effizienzmaßnahmen, Energieberatungen und –audits etc.) Diese Spezialistenvernetzung ist bundesweit sicherlich einmalig.  Einmalig ist auch, dass der Kunde bei uns nur EINMALIG eine Gebühr pro Lieferstelle bei der Energiebeschaffung zahlt, prozentual von der durch uns erzielten Einsparung. Danach ist für diese Lieferstelle jede Folgebeschaffung kostenfrei.

Sie sind Projektmanager für technische Effizienzmaßnahmen bei wattline. Wie sieht ein typischer Tagesablauf aus?

Im Homeoffice beginnt der Tag für mich um 7:30 Uhr mit 30 Minuten Twitter – für mich der beste Weg um schnell Informationen aus dem Bereich Energieeffizienz und Innovation maßgeschneidert zu erhalten. Ab 8:00 Uhr geht es „klassisch“ weiter mit der Bearbeitung von Mails, der Nacharbeit oder Vorbereitung von Kundenterminen, der Abstimmung mit den Kollegen und Dienstleistern zu Projekten etc. Nachmittags erstelle ich professionelle Lastganganalysen, nehme ich an Telefonkonferenzen teil und was das Tagesgeschäft sonst so fordert.

Im Außeneinsatz ist es eher ein Wechselspiel von Reise- und Beratungstätigkeit bei unseren Projektkunden. Der besondere Reiz liegt hier in der Vielfältigkeit der Branchen, den daraus immer wieder sich neu ergebenden individuellen Lösungsansätzen und den unterschiedlichsten Einblicken in die Welt unserer Kunden.

Und wie kann ich mir als Geschäftsführer bzw. Energie-Verantwortlicher eines kleinen Unternehmens den Beratungsprozess vorstellen? Wie viel Zeit und Aufwand muss ich einplanen? Auf was kann ich mich freuen?

Im klassischen EnergieEffizienzKonzept versuchen wir den Aufwand für unsere Kunden so gering wie möglich zu halten: Wir kümmern uns um den gesamten Prozess vom ersten Förderantrag, über die Vermittlung des optimalen Energieberaters und dessen vor-Ort-Besuch beim Kunden. Anschließend findet das persönliche Beratungsgespräch durch den wattline-Spezialisten zu den Energieberatungsergebnissen statt um dabei auch über Fördermittelmöglichkeiten zu informieren und eine Maßnahmenpriorisierung zu eruieren. Hierauf folgend von uns initiiert die technische Umsetzung von Effizienzmaßnahmen und final die Übergabe des Einsparzertifikates mit dem Ausweis der tatsächlich pro Jahr eingesparten Energiemenge. Der Geschäftsführer sollte ca. 2-3 Stunden Zeit für den Energieberater und etwa 2 Stunden für den wattline-Spezialisten einplanen und kann sich ansonsten darauf verlassen, dass sich wattline für ihn kümmert.

Als Überzeugungstäter in Sachen Energieeffizienz, welche 3 Tipps würden Sie z.B. kleinen und mittelständischen Unternehmen auf den Weg geben, damit diese auf einfacher Art und Weise schon jetzt Energie sparen können?

Kleinere und mittlere Unternehmen sollten sich erst einmal einen Überblick verschaffen, welche Energie wird wirklich in welchen Mengen wann verbraucht. Dann sollten Schwachstellen und Potentiale aufgedeckt werden um dann definieren zu können, welche Maßnahmen Priorität haben. Da dies die wesentlichen Punkte unseres EnergieEffizienzKonzeptes sind, bei dem bspw. die externe Beratungsleistung mit 80% gefördert wird, würde ich dem Geschäftsführer empfehlen, uns zu beauftragen, damit er sich weiterhin gänzlich um sein Kerngeschäft kümmern kann.

Wenn Ihre Frage auf direkte Praxis-Tipps abzielt, sind meine Empfehlungen:

1. Wo die Umrüstung auf LED sinnvoll möglich ist – auf die Qualität der Leuchtmittel achten und konsequent umrüsten. Achtung: Hierbei gilt es die neuen LED-Leuchtmittel auf die vorhandenen Fassungen abzustimmen – ggf. könnte sonst existierender Versicherungsschutz erlöschen.

2. Bewegungssensoren in Bereichen die nicht permanent beleuchtet werden müssen (Lager etc.)

3. Wärme- und Kältebrücken vermeiden wie zu lang offen stehende Rolltore oder bspw. Kühlhaustüren zu sanieren. Die Möglichkeiten sind vielfältig, aber eben nicht immer leicht und gänzlich zu entdecken und in einem Gesamtkonzept aufeinander – auch wirtschaftlich – abzustimmen.

Was ist die bis jetzt erfolgreichste Effizienzmaßnahme, die Sie bei wattline realisiert haben?

Erfolgreich im Sinne von größtes Finanzierungsvolumen sind bspw. große Blockheizkraftwerke (ca. 0,75 Mio Invest) und natürlich große Photovoltaikanlagen (0,8 Mio Invest) – hier werden Kosten reduziert, tatsächlich Energieverbrauchseffizienz, also Maßnahmen die mit deutlich weniger Verbrauch ein gleiches oder besseres Ergebnis erzielen ist natürlich LED Beleuchtung mit jährlichen Einsparungen von 100.000kWh; 160.000kWh etc. pro Jahr mit 5 bzw. 7 Jahren Garantie und je nach Brenndauer und Lampenlebensdauer bis hin zu 15 Jahren garantierter Einsparung gegenüber dem Alt-Zustand.

Auf welche Fehlannahmen treffen Sie am häufigsten, wenn es um das Thema Energie in Unternehmen geht?

Da gibt es Einige. Von „das rechnet sich nicht“ „da gibt es keine Förderung, deshalb mach ich das nicht“ „der Maschinenpark verbraucht mehr Strom (tatsächlich war es hier die alte HQL-Beleuchtung, die mehr Strom verbrauchte als alle Maschinen zusammen)“ „keine Zeit, zu aufwändig“… die Vorwände sind vielfältig. Rein in der Praxis ist die häufigste Fehlannahme bei kleinen Unternehmen ein Blockheizkraftwerk. Die Faustformel – nur sinnvoll wenn nutzbare, konstante Wärmeabnahmen vorliegen –  ist oft nicht berücksichtigt. Mein persönlicher Favorit war ein 46 Jahre alter Mittelspannungstrafo, der ein erhebliches Versorgungsrisiko darstellte oder ein wirklich großer Kunde der Löcher in das Dach schlagen ließ damit die überschüssige Wärme abziehen konnte.

 

Sie bieten nicht nur Beratung zur Energieeffizienz, sondern u.a. auch zum Einkauf von Energie. Wie funktioniert das Konzept des Energiepools und was sind dessen Vorteile?

Im wattline Energiepool bündeln wir die Energiemengen all unserer Kunden. So erzielen wir deutlich bessere Preise und Konditionen für Strom und Gas als jeder Einzelne unserer Kunden. Durch Umstellung auf einen wattline zertifizierten Kooperationsversorger erhalten Unternehmen zusätzlich Lieferungssicherheit, Preissicherheit und Servicesicherheit – entscheidende Sicherheiten und Rahmenbedingungen für jedes Unternehmen. Einmal in den Pool – und immer profitieren.

 

Schauen wir noch mal etwas weiter in die Zukunft: Wie stellen sie sich die Zukunft der Energiewende im Unternehmen – sagen wir in den kommenden 10 Jahren – vor?

10 Jahre ? In den letzten 5 Jahren ist so viel passiert und im Moment ist die technische Entwicklung so unfassbar schnell. Der Siegeszug der Photovoltaik ist eine sichere Bank. Stromspeicher werden immer preiswerter und werden in Zukunft zum Alltag gehören. So wie seit der Nutzbarmachung des Feuers niemand sein Fleisch mehr roh gegessen hat – die Tage der Verbrennungsmotoren sind gezählt. In 20 Jahren könnten wir Energie ganz anders erzeugen, beispielsweise mit Fusionsreaktoren wie im Wendelstein-7 Projekt.

Wenn ihr neugierig seit, melden euch auf unserer Homepage für unseren Newsletter an und was Innovationen und spannende Informationen aus der Welt der Energie und Energieeffizienz angeht, unser Twitter-Account @WATTLINE_Effi ist ein toller Fundus – Energienews intelligent komprimiert.

Klimafonds Frankfurt

Patrick Mijnals beim Klimafonds Workshop an der Uni Kassel

Gemeinsam mit der GLS Bank Frankfurt, der Bürger AG für nachhaltiges Wirtschaften, den Impact Spezialisten von Finance in Motion und einigen anderen spannenden Teilnehmern haben wir in einem Workshop der Uni Kassel an einem Konzept für einen regionalen Klimafonds für Frankfurt Rhein Main gearbeitet.

 

Hier ein kurzer Bericht des Projektteams unter Leitung von Alice Bauer:

Ausgangslage und Zielsetzung

Trotz ihrer bedeutsamen Rolle in der Realisierung nationaler Klimaschutzziele sind die Handlungsmöglichkeiten vieler Städte aufgrund fehlender finanzieller Mittel stark eingeschränkt. An diesem Punkt setzt der Climate Mitigation Fund 2.0 an: das Projekt möchte lokale Klimaschutzmaßnahmen mit individuell zugeschnittenen Klimafonds stärken, die auf die speziellen Bedürfnisse der Kommunen sowie der regionalen Wirtschaft und Gesellschaft ausgerichtet sind. Am Beispiel der Städte Frankfurt am Main und Bologna wurde innerhalb der sechsmonatigen Projektlaufzeit ein Fahrplan zum Aufbau städtischer Klimafonds erstellt, der die jeweiligen Regionen mit einer nachhaltigen Finanzquelle zur Stärkung emissionsarmer Wirtschaftssysteme ausstatten soll.

Neben der Aufstockung der kommunalen Finanzmittel legten die Projektpartner – neben der Universität Kassel die Energie Agentur Modena und ASTER, in enger Zusammenarbeit mit den Städten Bologna und Frankfurt – besonderen Wert auf ein System, das sowohl die Unterstützung von finanziell profitablen als auch nicht-profitablen Klimaschutzprojekten erlaubt. Ausgehend von bestehenden lokalen und regionalen Klimastrategien in den Bereichen Klimaschutz und Klimaanpassung wurden nicht nur die Bedürfnisse der Projektnehmerseite berücksichtigt. Im Sinne der Verstetigung eines sich selbst tragenden Instruments setzte sich CMF 2.0 auch intensiv mit den Rahmenbedingungen sowie Interessens- und Toleranzbereichen von privaten und institutionellen Investoren auseinander.

Partizipative Arbeitsweise

CMF 2.0 ist Teil des Low Carbon City Labs Projektverbundes und wird aus europäischen Mitteln über Climate-KIC gefördert. Die Projektarbeit basierte auf einer partizipativen Zusammenarbeit und bezog lokale Expertise gewonnen durch Projektbeiräte, Expertengespräche und Gruppenbefragungen mit ein. Regionale Akteure wurden als Teil des Projektteams betrachtet und spielten insbesondere durch die Einbringung ihres Expertenwissens eine entscheidende Rolle bei der Schwerpunktsetzung. Neben der Möglichkeit den Fonds passgenau auf die regionalen Gegebenheiten auszurichten und die Blickwinkel verschiedener Akteursgruppen zu berücksichtigen, zielte dieser Ansatz auf eine breit getragene Akzeptanz des Klimafondskonzeptes um die zukünftige Umsetzung zu erleichtern.

 

Zentrale Projektergebnisse

Zu Beginn des Projektes wurden die Erwartungen und Ziele an einen erfolgreichen Klimafonds zusammengetragen. Über alle Sparten hinweg sprachen sich die Akteure für ein System aus, das im Raum Frankfurt Standards in Sachen Nachhaltigkeit setzt, Kooperation und Innovation fördert, einen messbaren Einfluss auf die Verringerung klimaschädlicher Emissionen erreicht und über die Region hinaus als Pionierprojekt Akzente setzt. Unternehmen kommunizierten zudem den Wunsch ein Klimafonds solle einen Beitrag zum Gemeinwohl leisten, die regionale Wirtschaft stärken und für Firmen eine Möglichkeit der Imagepflege darstellen.

Basierend auf diesen Erwartungen sowie einer Unternehmensbefragung im Raum Frankfurt erstellte CMF 2.0 einen passgenauen Baukasten mit verschiedenen möglichen Entwicklungsschritten. Die Ausarbeitung eines detaillierten Business Plans und einer effizienten und langfristigen Management Struktur stellte die letzte Arbeitsphase dar.

Ausblick und Strahlkraft

Climate Mitigation Fund 2.0 hat das Grundkonzept für die Errichtung eines finanziell nachhaltigen und langfristigen Klimafonds in Frankfurt RheinMain zur Verfügung gestellt. Die nächsten Arbeitsschritte hin zu einer erfolgreichen Umsetzung des regionalen Fahrplans werden im kommenden Jahr weiter diskutiert. CMF 2.0 wurde als Pilotprojekt durchgeführt und wird nach einer weiteren Verdichtungsphase ein Modell zur Verfügung stellen, um Städte in ganz Europa in der Ausarbeitung eines eigenen, individuell zugeschnittenen Klimafonds zu unterstützen.

 

Kontakt und weitere Infos: Alice.bauer@uni-kassel.de

Antworten zu unserem bettervest Advents-Quiz

Hallo liebe bettervestoren,

Wir haben letzte Woche unsere Facebook-Community auf die Probe gestellt. Bis zum 3. Advent hatte unsere Community Zeit, ihr Wissen in Sachen Klimawandel, Energieeffizienz und Crowdinvesting zu testen.

Stopp! Du hast das Quiz noch nicht gemacht? Dann folge erst diesem Link. Zwar gibt es keinen Gutschein zu gewinnen, du kannst aber trotzdem herausfinden, ob du die Themen beherrscht.

 

Hier sind unsere Antworten zu den acht Fragen:

 

F: Welcher dieser Stoffe trägt zum Treibhauseffekt bei?

A: Obwohl Kohlenstoffdioxid (CO2) das bekannteste Treibhausgas ist, tragen unter anderem Methan (CH4), Lachgas (N2O) und Ozon(O3) zum Treibhauseffekt bei. Wasserdampf und Wolken übrigens auch.

 

F: CO2 verursacht _________ der menschlich entstandenen Erderwärmung.

A: Zwei Drittel der globalen Treibhausgas Emissionen stammen von CO2, laut dem Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC). Die Graphik unten zeigt eine Aufgliederung der Emissionen je nach Sektor.

 

Quelle: IPCC 2014

Quelle: IPCC 2014

 

F: Wie viele Gigatonnen CO2 dürfen wir weltweit bis 2050 ausstoßen, um die 2°C Grenze mit 80% Wahrscheinlichkeit nicht zu überschreiten?

A: Anhand einer Analyse von Carbon Tracker, ein Non-Profit-Think Tank, liegt unser sogenanntes „carbon budget“ zwischen 565 und 886 Gigatonnen CO2. Ab Mitte des 21. Jahrhundert wird das Budget noch knapper. Nur noch 75 Gigatonnen dürfen danach ausgestoßen werden, um die 2°C Grenze mit 80% Wahrscheinlichkeit nicht zu überschreiten (in Abwesenheit jeglicher Technologien, die einen „negativen Ausstoß“ verursachen sowie der CO2-Abscheidung und -Speicherung).

 

F: Welches Land ist Nummer 1. in Sachen Energieeffizienz?

A: In einer Studie vom American Council for an Energy-Efficient Economy (ACEEE) wird Deutschland als effizientestes Land gekrönt.

 

F: In welchem Land (Deutschland, China, Dänemark oder Schweden) ist der pro Kopf Verbrauch von Primärenergie (Öl, Erdgas, Kohle, Kernkraft, erneuerbare Energie, etc) am niedrigsten?

A: Laut der Bundeszentrale für politische Bildung lag der Primärenergie-Verbrauch von China in 2014 bei 2,14 Tonnen Öläquivalent pro Kopf. Ein Deutscher braucht mit 3,79 Tonnen vergleichsweise mehr. Dänen und Schweden brauchen jeweils 3,06 und 5,36 Tonnen pro Person. Das Afrikanische Kontinent verbraucht durchschnittlich nur 0,37. Katar ist mit 22,25 Spitzenreiter.

 

F: Um wie viel Prozent wuchs der gesamte Crowdinvesting Markt zwischen 2014 und 2015 in Deutschland?

A: Der gesamte deutsche Crowdinvesting Markt wuchs um 196%, so eine Studie von Crowdfunding.de. Dabei wuchs der Crowdinvesting Markt für grüne Energie um 167% und Immobilien um ganze 1.955%.

 

F: Die Investitionskategorie grüne Energie hat mit fast 7 Mio. € den _______ Anteil im deutschen Crowinvesting Markt in 2015.

A: Grüne Energie hat am deutschen Crowdinvesting Markt mit 14,1% den drittgrößten Anteil. Immobilien haben mit 46,2% den größten Anteil.

 

Crowdinvesting Marktvolumen 2015 - Marktanteile der Investitionskategorien nach Finanzierungsvolumen

Crowdinvesting Marktvolumen 2015 – Marktanteile der Investitionskategorien nach Finanzierungsvolumen

 

F: In dieser Kategorie (grüne Energie) haben Energieeffizienzprojekte mit 2,1 Mio. € das _________ Finanzierungsvolumen.

A: Energieeffizienz hat das größte Finanzierungsvolumen in der Kategorie. Es liegt mit 30,4% des Gesamtvolumens vorne, gefolgt von Solarenergie (21,8%) und Windenergie (16,85).

 

Wir hoffen du hattest Spaß an der Teilnahme und konntest etwas neues dazu lernen!

GreenVisions: Energieeffizienz in der Wirtschaft

In Berlin trafen Unternehmer auf Dienstleister der Energiebranche um sich mit dem Thema Effizienz in der Wirtschaft zu beschäftigen.

Vier hochkarätige Redner, unter anderem auch bettervests eigener CFO, Harald, gaben uns einen Einblick in ihre Arbeit zum Thema Energieeffizienz in der Wirtschaft. Anschließend wurden in einer Gruppendiskussion Ideen und Meinungen ausgetauscht. Die vier Themen, Effizienztechnologie, Förderprogramme, Umsetzungsprobleme und Grüne Zukunftsvisionen wurden genauer unter die Lupe genommen. In diesem Blogpost erfährst du einiges über Player, die den Effizienz-Markt beeinflussen, die Politiker, die ihn lenken, sowie Verbände, die sich mit ihm auseinandersetzen.

Das Event wurde von dem BDS Berlin (Bund der Selbstständigen) und der bettervest GmbH veranstaltet und durch INFRANEU (Hauptverband für den Ausbau der Infrastrukturen und Nachhaltigkeit) und die GLS Bank unterstützt.

Prof. Dr. Dieter Flämig. Geschäftsführender stellvertretender Vorsitzender des Hauptverbandes für den Ausbau der Infrastrukturen und Nachhaltigkeit, kurz INFRANEU genannt.

Prof. Dr. Dieter Flämig. Geschäftsführender stellvertretender Vorsitzender des Hauptverbandes für den Ausbau der Infrastrukturen und Nachhaltigkeit, kurz INFRANEU genannt.

„Wir Brauchen einen Paradigmenwechsel“

Um die Schäden des Klimawandels in Grenzen zu halten, so Prof. Dr. Dieter Flämig, dürfen wir bis Mitte des 21. Jahrhundert nur eine Tonne CO2 pro Person in einem Jahr ausstoßen. Das heißt, unser Verbrauch müsste auf 10% des heutigen Pro-Kopf-Ausstoßes sinken. Unter den acht Strategien der Ressourceneffizienz die Dr. Flämig in seinem Vortrag hervorhebt, spielt auch die Energieeffizienz eine äußerst wichtige Rolle für die erfolgreiche Umsetzung der Energiewende. Das Potenzial in Deutschland ist groß. Es gibt unter anderem 186.000 ausbesserungsbedürftige öffentliche Gebäude, darüber hinaus arbeiten nur 23% der Warmwassererzeuger und Heizanlagen effizient und etliche Millionen veraltete Waschmaschinen, Geschirrspüler und Kühlgeräte, etc., warten nur darauf, ersetzt zu werden. Um diese Ineffizienz zu beseitigen, brauchen wir nicht nur genügend finanzielle Mittel, sondern einen Paradigmenwechsel.

Bedauerlicherweise ist verantwortungslose Verschwendung noch die Regel, da Ressourcen wie Luft, Wasser oder Wärme nicht mit Ihren eigentlichen Werten in Produktionsprozesse eingepreist sind. Das müsse sich ändern, so Fläming. Flämig betont „wir sind nicht eine Welt neben der Welt”, sondern müssen eine „zukunftsfähige Kultur der Mäßigung, der ökologischen Sensibilität, der Partizipation und Balance“ schaffen in der die Kosten des heutigen Wohlstands nicht abgewälzt werden. Im Rahmen der Demokratie sollen Bürgerinnen und Bürger an Entscheidungen bezüglich unserer Energieversorgung teilnehmen und auch in Klimaschutzprojekte investieren. Nur so könne eine Wandlung zur Nachhaltigkeitsgesellschaft gelingen.

Das kürzlich erschienene Buch Weiter Denken: von der Energiewende zur Nachhaltigkeitsgesellschaft von Prof. Dr. Flämig und Dr. Lothar de Maizière – quasi ein Fahrplan für eine treibhausneutrale Zukunft – schlägt ein neues in der Zivilgesellschaft verankertes Finanzierungsinstrument vor. Als vierte Säule der deutschen Altersversorgung könne eine obligatorische „Klimaschutz-Rente“ einen ökologischen sowie ökonomischen Strukturwandel in Gang setzten. Das Geld von Renteneinzahlern wird ausschließlich in nachhaltige Projekte investiert. Somit sei das deutsche soziale Sicherungssystem an ein nachhaltiges und langfristiges Vorsorgesparen gekoppelt, in dem die Gesundheit von Mensch und Natur im Mittelpunkt steht.

Die geschätzten 300 Billionen Euro, die wir für diesen gigantischen Umbau über die nächsten hundert Jahre benötigen, entsprechen in etwa dem Kostenvolumen der deutschen Einheit. Fazit: das Mammut-Projekt ist durchaus machbar.

Dr. Julia Verlinden, MdB. Sprecherin für Energiepolitik der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Bundestag.

Dr. Julia Verlinden, MdB. Sprecherin für Energiepolitik der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Bundestag.

Sticks and Carrots: Förderinstrumente

Als einzige Vertreterin der Politik gab Bundestags-Abgeordnete Dr. Julia Verlinden uns einen kritischen Einblick in die derzeitigen Fördermaßnamen, die Firmen aktuell bei der Implementierung von energieeffizienten Maßnahmen zur Verfügung stehen.

Dr. Verlinden ist der Meinung, dass Energieeffizienz nicht nur ein wichtiger, sondern der größte Bestandteil der Energiewende ist. Doch die staatlichen Fördermittel seien bisher enttäuschend: sie seien entweder zu einschränkend, unangebracht oder nicht durchdacht. Sie schlägt vor, dass z.B. Rabatte auf Strom nur dann gewährtet werden, wenn erste Effizienz-Maßnahmen ergriffen wurden. Dafür seien offizielle Effizienz-Benchmarks an denen Firmen sich orientieren können notwendig. Zurzeit fehlten diese. Dr. Verlinden fordert deswegen offene Rahmenbedingungen mit weniger Bürokratie, konkreteren Richtlinien und schlichtweg mehr Geld, um den Energieeffizienz-Markt in Schwung zu bringen. Neben Förderung bräuchte man allerdings auch wirksame Preissignale, die zur Dekarbonisierung beitragen.

Mit dem EU-Emissionshandel sind die ersten Grundsteine gelegt worden, doch der schwache Preis übt wenig Druck auf die Industrie aus. Erst bei 30€ pro Tonne CO2 würden Firmen den Drang, effizienter zu agieren oder ihre Prozesse gänzlich klimafreundlich zu strukturieren, spüren, so Dr. Verlinden.

Ab dann wird auch die Drohung der sogenannten „stranded assets“ an Bedeutung gewinnen. Momentan sind Kohle-, Öl- und Gasreserven deutlich überbewertet. Die Wertschätzungen weltweiter Reserven stehen nämlich im Widerspruch zu dem erklärten Ziel von COP21 (UN-Klimakonferenz in Paris im Jahr 2015), die Erderwärmung unter 2°C zu begrenzen. Wenn ein Großteil dieser Reserven verbrennt werden würde, ist der Emissionsausstoß so hoch, dass wir die zwei Grad Grenze deutlich überschreiten würden. Sobald Investoren zur Erkenntnis kommen, dass die Risiken viel höher sind als zuvor kalkuliert, platzt auch die aufgeblähte Investitionsblase, wonach Anlagen in fossile Brennstoffe an Wert verlieren werden oder sogar vollkommen als wertlos eingestuft werden müssen.

Claire Range. Managerin für Energieeffizienz bei der Deutschen Unternehmensinitiative Energieeffizienz e.V. (DENEFF), das erste unabhängige, branchenübergreifende Netzwerk von Vorreiterunternehmen und -organisationen, die für eine ambitionierte und effektive Energieeffizienzpolitik eintreten.

Claire Range. Managerin für Energieeffizienz bei der Deutschen Unternehmensinitiative Energieeffizienz e.V. (DENEFF), das erste unabhängige, branchenübergreifende Netzwerk von Vorreiterunternehmen und -organisationen, die für eine ambitionierte und effektive Energieeffizienzpolitik eintreten.

Energieeffizienz braucht einen starken Markt

Claire Range von der Deutschen Unternehmensinitiative Energieeffizienz e.V, kurz DENEFF, berichtete über die Ergebnisse einer Umfrage unter Anbietern am Energieeffizienzmarkt, an der auch bettervest teilnahm. Die Initiative veröffentlicht jährlich einen solchen „Branchenmonitor“, welcher einen Überblick über den Energieeffizienzmarkt verschafft und Trends, Erfolgsfaktoren und Herausforderungen identifiziert. Beispielsweise stieg der Umsatz deutschlandweit von 2014 bis 2015 um 10%. Derweil wurden eine halbe Millionen Arbeitsplätze geschaffen. Um auf diesem Kurs zu bleiben, braucht der Markt dringend deutliche Impulse, betont Range. Wichtigster Antrieb für den wachsenden Markt, laut Umfrage des Branchenmonitors, sind die politischen Rahmenbedingungen. Sendet die Politik ein eindeutiges Signal, bekommt die Branche die notwendige Unterstützung und Klarheit, um den Schritt zu wagen. Wie auch Dr. Verlinden erläuterte, bietet das momentane „Sammelsurium von Förderprogrammen“ zwar eine bunte Vielfalt, birgt aber auch Fehlanreize und einen Mangel an branchen- und technologie-übergreifenden Lösungen.

Besonders wichtig ist die monetäre Förderung. Obwohl große Einsparpotentiale wirtschaftlich realisierbar sind, werden diese in der Industrie selten gehoben. Das liegt vor allem daran, dass solche Investitionen sich nur langfristig rentieren. Leider sind Firmen in der Regel eher auf Kurzfristigkeit programmiert; alles was eine lange Amortisierungsperiode hat, wird eher als kostspielig bewertet. Genau deshalb sind Investitionszuschüsse oder -prämien besonders gefragt. Wo die Politik nachhinkt, ergänzen alternative Finanzierungsformen wie Crowdfunding oder Genossenschaften klassische Finanzierungsnagebote.

Harald Schottenloher. CFO und Vertrieb bei der bettervest GmbH.

Harald Schottenloher. CFO und Vertrieb bei der bettervest GmbH.

Crowdinvesting für Energieeffizienz

Harald stellte in diesem Zusammenhang das alternative Finanzierungsangebot von bettervest vor. bettervest ermöglicht die zivilgesellschaftliche Partizipation, die für eine Nachhaltigkeitsgesellschaft so bedeutsam ist. Darüber hinaus kann durch Crowdinvesting auf Fördermittel verzichtet werden oder gezielt in Kombination mit solchen staatlichen Quellen genutzt werden. bettervests Fokus auf Energieeffizienz trägt dazu bei, die von Dr. Verlinden erwähnte Lücke nicht nur in Deutschland, sondern weltweit zu füllen.

Aktuelle Projekte der bettervest GmbH findest du hier.

Gruppendiskussion

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